Hinweis — Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle Fachplanung. Er beruht auf typisierten Annahmen und berücksichtigt nicht die räumlichen, technischen, genehmigungsrechtlichen und betrieblichen Gegebenheiten Ihres Betriebs. Lassen Sie sicherheits-, hygiene-, brandschutz-, elektro- und lüftungsrelevante Festlegungen vor einer Kauf- oder Installationsentscheidung durch eine qualifizierte Fachperson prüfen und beachten Sie die für Ihren Standort geltenden Vorschriften. Für die Eigenschaften eines konkreten Produkts sind allein die Angaben auf der jeweiligen Produktseite und individuell getroffene Vereinbarungen maßgeblich.
Die Kochtechnik ist das Herz jeder Gewerbeküche – und der Bereich, in dem eine Fehlentscheidung am längsten weh tut. Ein Gerät, das in der Stoßzeit nicht mitkommt, bremst jeden Abend den ganzen Betrieb aus. Eines, das zu groß gewählt wurde, kostet bei jedem Aufheizen Energie, die niemand braucht. Und ein Gerät, dessen Anschluss nicht zur Küche passt, steht im schlimmsten Fall wochenlang ungenutzt.
Dieser Ratgeber gibt die Orientierung vor der Detailentscheidung: Welche Gerätegruppen gibt es, welche Energieart passt zu Ihrem Betrieb, wie dimensioniert man richtig – und welche Punkte werden bei der Planung regelmäßig übersehen. Für die einzelnen Gerätearten finden Sie am Ende die passenden Detail-Ratgeber.
Die Gerätegruppen im Überblick
Gewerbliche Kochtechnik lässt sich in wenige Gruppen einteilen. Die folgende Übersicht zeigt, welche Gruppe welche Aufgabe übernimmt und wo Sie tiefer einsteigen können:
| Gerätegruppe | wofür | typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Kochfelder & Herde | Kochen, Anbraten, Saucen | Grundausstattung jeder Küche |
| Grillplatten | Steaks, Burger, Gemüse, Frühstück | à la carte, Imbiss, Frühstück |
| Fritteusen | Pommes, Panierte, Snacks | Imbiss, Kantine, Bistro |
| Kombidämpfer | Braten, Backen, Dämpfen, Regenerieren | das Universalgerät |
| Kochkessel & Kippbratpfannen | Suppen, Eintöpfe, große Mengen | Großküche, Kantine, Klinik |
| Pizzaöfen | Pizza, Flammkuchen, Aufbacken | Pizzeria, Lieferdienst |
| Kamado- & Holzkohlegrills | Grillaromen, Steakhaus-Optik | Steakhaus, Grillrestaurant |
| Döner- & Gyrosgrills | Drehspieß | Imbiss, Systemgastronomie |
Die meisten Küchen brauchen nicht alles. Sinnvoller ist, vom Speiseplan rückwärts zu denken: Welche Gerichte stehen dauerhaft auf der Karte, und welches Gerät produziert sie am wirtschaftlichsten?
Gas, Elektro oder Induktion?
Die Energieart bestimmt Betriebskosten, Reaktionsgeschwindigkeit und – oft unterschätzt – wie warm es in der Küche wird.
Gas regelt am unmittelbarsten: Die Leistung ist sofort da und sofort wieder weg, die Flamme ist sichtbar, und sie arbeitet mit jedem Topf, auch mit gewölbten Böden und Woks. Geräte wie ein Gasherd mit 6 Brennern sind deshalb in der Gastronomie nach wie vor der Standard. Vorausgesetzt sind ein Gasanschluss und eine ausreichend dimensionierte Abluft.
Elektrische Strahlungsplatten sind die günstigste Lösung und brauchen keinen Gasanschluss. Sie heizen und kühlen aber träge und geben viel Abwärme ab – für Warmhalten und Beilagen ausreichend, für schnelles Anbraten nicht.
Induktion erzeugt die Wärme im Topfboden statt darunter. Das bedeutet sehr kurze Aufheizzeiten, präzise Regelung und spürbar weniger Abwärme im Raum – in einer engen Küche im Sommer ein echter Unterschied. Ein Induktionskocher mit 2 Kochstellen und 7.000 Watt ersetzt eine klassische Doppelkochstelle bei geringerem Energieeinsatz. Zwei Bedingungen: magnetisches Kochgeschirr und die passende Anschlussleistung. Auch Spezialgeräte wie ein Induktions-Wokkocher arbeiten nach diesem Prinzip.
Die kurze Entscheidungshilfe: Wird den ganzen Tag durchgekocht und ist die Küche klein, spielt Induktion ihre Stärken aus. Wird unregelmäßig, mit wechselndem Kochgeschirr und mit Woks gearbeitet, bleibt Gas die robustere Wahl. Für Warmhalten und Nachziehen reicht die Strahlungsplatte.
Leistung und Größe richtig dimensionieren
Die häufigste Fehlplanung ist, nach verfügbarer Fläche zu kaufen statt nach tatsächlichem Bedarf. Sinnvoller ist die Rechnung über den Betrieb: Zahl der Sitzplätze, Anzahl der Gänge auf der Karte und – entscheidend – die Auslastung in der Spitze, nicht im Durchschnitt.
Eine zu klein dimensionierte Anlage wird jeden Abend zum Flaschenhals; das kostet Personalzeit, und zwar dauerhaft. Eine überdimensionierte kostet einmal in der Anschaffung und danach bei jedem Aufheizen. Planen Sie eine Kochstelle mehr ein, als der Regelbetrieb braucht – die Reserve wird genau dann gebraucht, wenn ohnehin alles läuft.
Bei Geräten wie Kombidämpfern mit 10 Einschüben gilt dieselbe Regel in Etagen: lieber eine Ebene Reserve, als das Gerät dauerhaft am Limit zu fahren.
Universalgerät oder Spezialist?
Wer eine Küche neu ausstattet, steht früh vor dieser Grundsatzfrage – und sie entscheidet oft mehr über die spätere Wirtschaftlichkeit als die Wahl der Marke.
Ein Universalgerät wie der Kombidämpfer kann braten, backen, dämpfen und regenerieren. Es ersetzt mehrere Einzelgeräte, spart Stellfläche und ist die richtige Wahl, wenn die Karte breit, die Menge je Gericht aber überschaubar ist. Der Preis dafür: Läuft das Gerät aus, fehlen mehrere Funktionen auf einmal, und in der Spitze konkurrieren die Gerichte um dieselben Einschübe.
Ein Spezialist – die Fritteuse, der Pizzaofen, der Kochkessel – macht eine Sache, diese aber in hoher Stückzahl und mit gleichbleibendem Ergebnis. Sobald ein Gericht zum Volumentreiber wird, rechnet sich das eigene Gerät: Ein Pizzaofen für sechs Pizzen gleichzeitig produziert in der Stoßzeit ein Vielfaches dessen, was ein Kombidämpfer nebenbei schafft.
Die Faustregel: Ein Gericht, das mehr als etwa ein Fünftel Ihres Umsatzes trägt, verdient sein eigenes Gerät. Alles darunter läuft wirtschaftlicher über das Universalgerät. Und in kleinen Küchen gilt ohnehin: lieber ein gutes Universalgerät als drei Spezialisten, die sich die Steckdose teilen.
Gerätetiefe: 600, 700 oder 900 mm
Gewerbliche Kochtechnik wird in drei Bautiefen gebaut, und diese Entscheidung legt die gesamte Küchenlinie fest – nicht nur ein einzelnes Gerät.
600 mm ist die kompakte Linie für kleine Küchen, Imbiss und Ergänzungsplätze. 700 mm ist die verbreitetste Tiefe in der Gastronomie und der beste Kompromiss aus Arbeitsfläche und Platzbedarf. 900 mm bietet die größte Ablagefläche hinter den Geräten und die massivste Bauweise – ausgelegt auf Großküchen im Dauerbetrieb.
Wichtig ist die Einheitlichkeit: Wählen Sie für eine durchgehende Kochlinie überall dieselbe Tiefe. Ein einzelnes tieferes Gerät springt vor, unterbricht die Arbeitsfläche und schafft dahinter eine Fuge, die sich schlecht reinigen lässt.
Abluft – der Punkt, der am häufigsten fehlt
Die Abluftplanung gehört vor die Gerätewahl, nicht danach. Die erforderliche Absaugleistung richtet sich nach der installierten Gesamtleistung aller Geräte unter der Haube. Wer die Kochlinie später erweitert, muss die Haube mitrechnen – eine zu knapp ausgelegte Absaugung fällt im Winter kaum auf und im Sommer sofort.
Besonders relevant ist das bei Gasgeräten, die einen erheblichen Teil ihrer Leistung als Wärme in den Raum abgeben, und bei Geräten mit starker Wrasenentwicklung wie Kochkesseln, Nudelkochern oder einem Lavasteingrill, der zusätzlich Rauch und Fett in die Luft bringt.
Material, Verarbeitung und Reinigung
Edelstahl ist in der gewerblichen Küche Standard: lebensmittelecht, robust und leicht zu reinigen. Entscheidend ist aber die Verarbeitung, nicht das Material an sich. Achten Sie auf saubere Schweißnähte, abgerundete Innenecken und gut zugängliche Übergänge – schlecht verarbeitete Kanten werden zu Schmutzfallen und erschweren die nach HACCP vorgeschriebene Reinigung jeden Abend aufs Neue.
Bei einem Gerät, das täglich läuft, entscheidet die tägliche Reinigungszeit stärker über die Gesamtkosten als der Anschaffungspreis. Herausnehmbare Roste, Brennerkappen und durchgehende Auffangwannen sind deshalb kein Komfortmerkmal, sondern eine wirtschaftliche Größe. Das gilt für alle Gerätegruppen – auch für Fritteusen mit zwei Becken, bei denen ein Ablasshahn den Ölwechsel von einer Kraftanstrengung zu einer Routinehandlung macht.
Drei Fehler, die im Betrieb teuer werden
Anschlusswerte erst nach der Bestellung prüfen
Geräte dieser Klasse laufen mit 400 V Drehstrom oder benötigen einen Gasanschluss mit passender Düsenausführung für Erd- oder Flüssiggas. Klären Sie Anschlussleistung, Absicherung, Gasart und Abluft, bevor Sie bestellen – nicht, wenn das Gerät auf der Rampe steht.
Nur nach Anschaffungspreis entscheiden
Über zehn Jahre Laufzeit sind Energie, Reinigungszeit und Ersatzteilverfügbarkeit die größeren Posten. Ein Gerät, dessen Verschleißteile schwer zu bekommen sind, steht im Ernstfall still – und ein Ausfall in der Stoßzeit kostet mehr als die Preisdifferenz beim Kauf.
Die Küche um die Geräte planen statt umgekehrt
Wege entscheiden über Tempo. Kochtechnik, Vorbereitung, Ausgabe und Spülbereich sollten in der Reihenfolge stehen, in der tatsächlich gearbeitet wird. Ein technisch perfektes Gerät am falschen Platz kostet jeden Tag Schritte.
Ein letzter Hinweis zur Reihenfolge: Planen Sie zuerst die Prozesse, dann die Geräte und erst danach die Optik. Wer mit der Frage beginnt, welche Gerichte in welcher Menge und in welcher Reihenfolge entstehen sollen, kommt fast automatisch auf die richtige Gerätewahl. Wer umgekehrt mit einem Katalog beginnt, kauft am Ende oft ein Gerät mehr als nötig und eines zu wenig von dem, was täglich gebraucht wird.
Passende Detail-Ratgeber
Zu den einzelnen Gerätegruppen gibt es eigene, ausführliche Kaufberatungen: Kochfelder & Herde, Kochkessel & Kippbratpfannen, Fritteusen und Kombidämpfer & Konvektomaten.
Einen Überblick über das gesamte Sortiment finden Sie in der Kategorie Kochtechnik.
Weitere Ratgeber für Ihre Großküche
Passend zur Kochtechnik lohnt sich auch ein Blick in unseren Ratgeber zur Kühltechnik sowie in unseren Ratgeber zur Auswahl der passenden GN-Behälter für Lagerung und Transport.